Tränen, Umarmungen, Emotionen

Von Dr. Delay (Hamburg)

Am  Ende des 17. Hesselbacher Hofturniers (HHH), veranstaltet wie immer von Christine und Frank Hellstern und auch in diesem Auftakt der Crosslap GermanTour-Major, gab es Tränen, Umarmungen, Emotionen. Aber warum dieses für hart gesottene, wettergegerbte Discgolf Kerle und Kerlinnen gefühlsbetonte Ende? Ganz einfach. Eine lange Tradition geht zu Ende, denn das 17. HHH war das letzte seiner Art. Der „Hellsterner Hof“ und der diesen umringende, höchst anspruchsvolle Kurs steht ab 2017 nicht mehr zur Verfügung. Deutschlands bekanntes Discgolf-Paar muss umziehen

Der Champion Dominik Stampfer (WSCA Söhnstetten) legt vor und der Konkurrenz im Leadingflight (v. l.), Marian Ludwig (Tee-Timers Wolfenbüttel), ?? (), Christian Plaue (Birdieproduction Nordhessen) und Marvion Hartzmann (GW Marathon Münster) bleibt nur das Nachsehen.

Der HHH-Champion Dominik Stampfer (WSCA Söhnstetten) legt vor und der Konkurrenz im Leadingflight (v.l.), Marian Ludwig (Tee-Timers Wolfenbüttel), Bendikt Heiß (Disc Golf Guerillia Augsburg), Christian Plaue (Birdieproduction Nordhessen) und Marvin Hartmann (GW Marathon Münster) bleibt nur das Nachsehen.

Das ist mehr als nur schade, denn der wunderschön gelegene Kurs entsprach allerhöchsten Ansprüchen, die familiäre Atmosphäre gab dem Turnier 17 Jahre lang eine ganz besondere Note. Wo gibt´s schon Freitagabend Käsespätzle satt, für jeden, der gerade da ist? Und wo trifft man schon rund ein Dutzend Spieler und Spielerinnen im Wohnzimmer, beziehungsweise der Scheune (!) des Turnierdirektors (TD) an? Der alternde Verfasser dieser bescheidenen Zeilen fühlte sich ein wenig an die „good old times“ erinnert, als man einfach nur herumtelefonierte, wenn man ein Turnier veranstalten wollte und die Hälfte der Spieler dann am Tag vorm ersten Abwurf wie selbstverständlich mit dem Schlafsack in der Eingangstür standen.

Zum letzten Mal wurde in Hesselbach in diesem Jahr die berühmte Scheunen-Bahn gespielt.

Zum letzten Mal wurde in Hesselbach in diesem Jahr die berühmte Scheunen-Bahn gespielt.

Dass die einschneidende Veränderung von Frank Hellstern bis zum Schluss zurückgehalten wurde, machte Sinn, denn das hoch professionell vorbereitete und reibungslos ablaufende Turnier sollte nicht belastet werden. So endete die Siegerehrung mit einem gegen Tränen kämpfenden TD, einer ungeplanten, dem Schock geschuldeten Schweigeminute, bis die Crowd sich wieder gefasst hatte. Anschließend folgten nicht endend wollende Standing Ovations und es formte sich eine TD-Umarmung fordernde Spielerschlange, die bis nach Hesselbach Downtown reichte. Es war traurig und schön zugleich, so wie Discgolf – wenn dem unnötigen Triple-Bogey zwei Birdies folgen.
Zum Kurs: 2.036 Meter lang (zuzüglich gefühlter 2.035 Höhenmeter), Kurspar 63, gegenüber dem Vorjahr leicht verändert, heißt: erschwert, höchst abwechslungsreich designed, jedes Mando gut sichtbar markiert und jede OB-Zone deutlich erkennbar ausgelegt. So gab es so gut wie keine sonst oft so typischen Regelauslegungsdiskussionen, sondern man konnte einfach durchspielen. Auch ein Top PDGAler hätte in Hesselbach seine wahre Spielfreude ausleben können. Kurzum: Das 17. HHH hatte es wieder einmal in sich und konnte es mit jedem amerikanisch-finnisch-schwedischen Profi-Turnier aufnehmen.
Zum Spielverlauf: Die Division der Frauen wurde von Anfang an von Christine Hellstern dominiert, die sich bereits nach der ersten Runde mit fünf Würfen von Nora Wrobel absetzte und diesen Vorsprung am Ende auf 15 Würfe ausbauen konnte. Wenn man bedenkt, dass sie morgens stets auch noch Brötchen für das Dutzend Wohnzimmerschlafsackschläfer besorgte und ein Frühstück offerierte, eine fast übermenschliche Leistung. Auf dem dritten Platz landete schließlich Maike Janiesch.

Bei den Grandmastern gab es den erwarteten Zweikampf zwischen den Herren Hellstern und (Wolfgang) Kraus. Die beiden schenkten sich nichts und hielten den tapfer kämpfenden Rest durchgehend auf Distanz. Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass beide nicht nur hochgradig erkältungsgeplagt waren, sondern fast fünf Tage lang mit Kurs- und Turniervorbereitungsmaßnahmen beschäftigt waren (zusammen mit DGA-Jugendreferenten Franz „sexy redhead“ Schröer), eine weitere, ziemlich beeindruckende Leistung aus der Abteilung „50 ist das neue 30“. Dann abgeschlagen, aber respektabel gespielt: Werner Riebesel, einen Wurf vor Martin Fohlert.
Und auch die Masters-Konkurrenz hatte echtes Spannungspotential, denn hier kämpften gleich drei Discgolf-Veteranen um die letzte Hesselbacher Trophäe. Am Ende setzte sich Klaus Kattwinkel, wie immer von seiner reizenden Frau und seinem treuen Hund auf jeder Runde begleitet, ab und lag fünf Würfe vor dem Zweitplatziertenduo Frank Buchholz und Lucca Seipenbusch. Klaus Kattwinkel war aber auch klar im Vorteil. Nicht nur wegen der vorgeschilderten Umstände, sondern auch, weil er wie stets in der Präsidentensuite des Chez Hellstern nächtigte, während der im Survival-Modus angetretene Frank Buchholz die Scheune okkupierte.

Der HHH #17-Sieger Dominik Stampfer sucht die Lücke.

Der HHH #17-Sieger Dominik Stampfer sucht die Lücke.

Die Open: Es konnte nur einen geben. Gemeint ist nicht der öde Highlander, sondern der 22 Jahre alte, Heidenheimer Dominik Stampfer. Er setze sich bereits in der ersten Runde mit drei Würfen vom Nächstbesten ab, immerhin der spätere viertplatzierte Marian Ludwig aus Hof. Er baute dann Runde um Runde seinen Vorsprung vor seinen Verfolgern aus, um am Ende neun (in Zahlen: 9) Würfe vor dem zweitplatzierten Grebensteiner Christian Plaue zu liegen. Auch der überraschend starke, am Ende drittplatzierte Marvin Hartmann, begleitet von dem wohl coolsten Caddy auf dem Kurs, seiner bezaubernden Mama, konnte da nur hinterherschauen – am Ende 13 Würfe. Vervollständigt wurde die Spitzengruppe vom Augsburger Benedikt Heiß.
Was soll man Deutschlands Nummer Zwei (gleichwohl der spielerische Abstand zu unserem einzigen Profi Simon Lizotte nur noch gering sein dürfte) auch entgegen setzen, wenn dieser an einem Sonntagmorgen mal eben eine 1073er-PDGA-Rating-Runde in den Schwarzwald zaubert? Die um 13:35 Uhr MEZ beendete Runde war nicht nur die zweitbeste je in Hesselbach gespielte Runde, sondern dürfte auch eine der besten deutschen Discgolf-Leistungen der letzten Jahre darstellen.
Gut zu wissen, dass die deutsche Spitze so gut aufgestellt ist und nicht nur attraktiv sondern auch jung genug ist, um uns noch viele, viele Jahre spielerisch zu begeistern.
Die Ergebnisse sind wie immer bei der Discgolf-Abteilung und mit Rating bei der PDGA sind nachzulesen unter:
Sonstiges: Der Pepita-Strohhut von Andreas Kölling entsprach nicht der PDGA-Kleiderordnung (Pkt. 3.4 – Dress Code). Eine Zurückstufung um zwei Krempen ist noch in der Diskussion.

Marvin Hartmann mit Caddy Mama Heike.

Marvin Hartmann mit Caddy Mama Heike.

Nach dem Major ist vor dem Major. Der nächste und damit zweite Einsatz der Turnierserienteilnehmer findet am 14. und 15. Mai in Münster statt; die westfälische Metropole liegt übrigens nur 60 Meter über dem Meeresspiegel.
Herr Rippe will rechtliche Schritte einleiten – nachdem er zwei Mal auf der im Hochschwarzwald gelegenen Bahn 12 anfangen musste.
Hobby-Jurist Guido Klein konnte eine Regellücke auftun. Danach konnte er seine zehn auf Bahn vier alternativ als fünf auf der acht und fünf auf der 18 eintragen lassen.
Und: Es ist wirklich zu wünschen, dass die Hellsterns bald in neues Domizil finden und Discgolf im Schwarzwald seinen Fortgang findet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *